Häufig sind es nur einige Szenen, kurze Momente, die einen Film aus der Masse herausragen lassen. Marilyn Monroe im weißen Kleid überm U-Bahnschacht. Leonardo Di Caprio und Kate Winslet am Bug der Titanic - Gänsehaut. Nun mag der Vergleich zwischen den Hollywood-Größen und einem Pferdefilm hinken. Aber nur etwas. Der Titel "Die feine Dressur" zeigt dass es sich um ein ambitioniertes Projekt handelt.
Anja Beran, deren Reiterei vor allem durch den Portugiesen Manuel Jorge de Oliveira - der auch ausreichend zu Wort kommt - geprägt ist, gibt anhand verschiedener Pferde, die unterschiedliche Lektionen beherrschen, einen Eindruck davon, was sie unter "feiner Dressur" versteht. Auf den ersten Blick ist das vor allem minimaler Kontakt zum Pferdemaul. Die Zügel hängen eigentlich ständig durch - "Légèreté", die unendliche Leichtigkeit des Dressurreitens ist das Ziel. Das kann man mögen oder nicht, was aber besagte Gänsehaut auf den Plan ruft, das sind die Aufnahmen eines nur am Kappzaum piaffierenden Lusitano-Hengsten. Die Leichtigkeit, mit der der Dunkelfuchs die Lektion zeigt und die Nahaufnahmen, die zeigen, welche Muskeln dabei arbeiten, sind einmalig! Ergänzt wird die DVD durch ein halbstündiges Special: Hierin wird der Ausbildungsgang des als unreitbar verschrienen achtjährigen Westfalenwallach Flamingo gezeigt. Erst läuft er steif durch die Bahn, ein Dreivierteljahr später piaffiert er schon recht ansprechend. Ergänzend referiert Tierarzt Dr. Gerd Heuschmann über die anatomischen Vorraussetzungen.
Der Film mag den "reinen Sportreiter" auf den ersten Blick vielleicht nicht fesseln, aber auf den zweiten Blick lässt sich sicherlich einiges bei der Arbeit an der Hand oder auch in der Galopparbeit (etwa die deutliche Außenstellung auf dem Zirkel) ins Heimtraining einbauen. Über den Tellerrand zu gucken hat noch nie geschadet.





